Sinfoniekonzert

Samstag, 21. März 2020 20:00

Programm

Dominique Polich, Bratsche

Orchesterverein Aarau

Leitung: Armin Renggli


Ludwig van Beethoven: Egmont-Ouvertüre op.84

Bohuslav Martinů: Rhapsodie für Bratsche und Orchester H337

Georges Bizet: Sinfonie Nr. 1 C-Dur


Das Konzert ist leider abgesagt!

Die Solistin

Dominique Polich, Viola


Dominique Polich begann ihr Bachelorstudium mit dem Hauptfach Violine bei Prof. Brian Dean in Luzern und schloss es im Jahr 2011 bei Prof. Ulrich Gröner an der Zürcher Hochschule der Künste ab.

Nach erfolgreichem Erlangen des Masters of Arts in Musikpädagogik wandte sie sich ihrem Zweitinstrument, der Bratsche, zu und studierte anschliessend im Master of Arts in Music Performance mit dem Hauptfach Viola bei Prof. Wendy Enderle-Champney an der ZHdK.

Kammermusik- und Solo-Meisterkurse u.a. bei Susanne Frank (Carmina Quartett), Brett Dean, Cobus Swanepoel und Thomas Riebl bereicherten ihre Ausbildung.


Dominique Polich unterrichtet seit mehreren Jahren als Stellvertretung an verschiedenen Musikschulen und Gymnasien. Seit Sommer 2018 hat sie eine feste Stelle als Violin- und Violalehrerin an der Musikschule Schenkenbergertal.


Sie war langjähriges Mitglied (Geige und Bratsche) des Schweizer Jugendsinfonie Orchesters und spielte im Jahr 2017 Bühnenmusik für das Theater Basel (Produktion des Operstudios und des Jugendtheaters).

Ausserdem war sie während zweier Jahre Praktikantin im Sinfonieorchester Biel/Solothurn und ist nun Zuzügerin in dieser Formation.

Von der Auftragsmusik zum Meisterwerk

Beethoven: Ouvertüre in f-moll zum Schauspiel „Egmont“ von J. W. von  Goethe

Der Auftrag für eine Bühnenmusik

Beethoven war ein grosser Verehrer von Goethes Werken. Aus einem Brief vom August 1809 wissen wir, dass er sich sämtliche Werke von Goethe bestellt hat. Als das k.u.k Hoftheater Wien ihn 1809 beauftragte, eine Bühnenmusik für den „Egmont“ zu schreiben, muss das für Beethoven ein Glücksfall gewesen sein. Thema des Dramas ist der Befreiungskampf der Niederlande die anfangs 16. Jahrhunderts unter der spanischen Besatzung zu leiden hatte. Österreich war 1809 von den napoleonischen Truppen besetzt - der Freiheitsgedanke war naheliegend!

Im Sommer 1810 wurde Goethes 1788 vollendetes Drama schliesslich in Wien aufgeführt. Nach den Regieanweisungen Goethes erklingen szenenbezogene Lieder, Hintergrundmusik und am Schluss eine Siegessinfonie. Beethoven schrieb  ausserdem die Ouvertüre und Zwischenaktmusik dazu. Der Erfolg war gross. Beethoven liess den Klavierauszug  mit der Bitte um ein Urteil via Verlag an Goethe schicken. Dieser antwortete mit grösster Wertschätzung. Er hatte aber zu dieser Zeit die Musik selber noch nicht gehört, sondern berief sich auf das Urteil von Bekannten und Freunden. Er stellte in Aussicht, den „Egmont“ in Weimar aufzuführen, was für Beethoven wohl eine wichtige Bestätigung für seine Komposition war.


Bohuslav Martinů: Rhapsody-Concerto für Bratsche und Orchester

Der Auftrag für einen Bratschisten

Der ukrainische Geiger Joseph Weissmann studierte am Konservatorium in Odessa und emigrierte 1920 in die USA. Als Jascha Veissi spielte er erste Violine im Cleveland Orchestra Später wechselte er zur Bratsche und wurde als Solist, Stimmführer, Kammermusiker und Lehrer ein vielbeschäftigter Mann. Ende der 20erJahre begegnete er Martinů in Paris. Gut 20 Jahre später gab er bei ihm ein Konzert für Bratsche und Orchester in Auftrag. Die Uraufführung fand am 19. Februar 1953 mit dem Cleveland Orchestra unter George Szell statt.

Das Konzert besteht aus zwei Sätzen. Mit der Bezeichnung „Rhapsody“ wählte Martinů eine freie Form der Verbindung von Themen. Er begann hier seine letzte stilistische Entwicklung in Richtung Neu-Romantik; von der „Geometrie zur Phantasie“, wie er selber sagte. Was auffällt, sind viele lyrische Passagen, welche immer wieder von tanzähnlichen Episoden unterbrochen werden. Die synkopierten Melodien bringen Vitalität und Frische in die Musik. Die Solostimme bekommt  Gelegenheit, ihre virtuosen Fähigkeiten zu zeigen, doch die Grundstimmung bleibt ruhig. Es fehlt auch nicht die tschechische Aura; gegen den Schluss kann man Anklänge an Dvořak hören. Die leise Melodie der kleinen Trommel am Ende des 2. Satzes ist eine komponierte Kindheitserinnerung. Martinů, in einem Glockenturm in Polička geboren und bis zum 12. Lebensjahr da aufgewachsen, marschierte jeweils als kleines Kind mit der Trommel um den Laufgang des Turms.


Georges Bizet: Sinfonie C-Dur

Der innere Auftrag

Im Jahr 1855 war Bizet als 17-Jähriger in der Kompositionsklasse von J. F. Halévy. Einer seiner Lehrer war auch Charles Gounod. Für dessen 1. Sinfonie fertigte er 1855 einen Klavierauszug. In dieser Zeit, so sagt man, soll auch die Sinfonie von Bizet entstanden sein. War es die Herausforderung an einen Jugendlichen, nach dem Modell seines Lehrers eine Sinfonie zu schaffen? Es gibt so viele Parallelen in den beiden Werken, dass dies nicht von der Hand zu weisen ist. Die Ähnlichkeit mit der Sinfonie von Gounod mag Bizet davon abgehalten haben, die Sinfonie seinem Lehrer zu zeigen, denn weder Gounod noch Halévy erwähnen das Werk. Vielleicht war Bizet aber auch nicht zufriedenen mit seinem Entwurf. Das Autograph zeigt deutlich unterschiedliche Handschriftstadien und Papiersorten. Tatsache ist, dass die Sinfonie zu seinen Lebzeiten nie aufgeführt wurde. Nach Bizets frühem Tod kamen alle Manuskripte ungesichtet in den Nachlass. Erst in den 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts entdeckte der Bizet-Biograph Douglas Charles Parker die Sinfonie. Er konnte den Dirigenten Felix Weingartner dazu bewegen, die unbekannte Sinfonie des bekannten Komponisten der „Carmen“ aufzuführen. Seitdem ist die Sinfonie sehr beliebt geworden.


Text: Theres Iten Heer